Seltsam, wie dieses Buch zu dem geworden ist, was es ist - "ein Buch, das man in einem Zug durchliest", wie die Mail es ausdrückte ... Nach den beiden Briefromanen wurde es Zeit für einen Wechsel. Vor allem wurde es Zeit für das Risiko, die Perspektive eines männlichen Erwachsenen zu wählen. Ich war damals 33 und reif dafür. Ich hatte das Gefühl, diese Erzählperspektive hinzukriegen, ohne mit meiner eigenen Stimme zu sprechen. Zur gleichen Zeit erkannte ich, wenn auch zunächst nur vage, daß mein Interesse vor allem solchen Problemen galt, die im Grenzbereich zwischen dem Technischen - dem, was sich lösen läßt - und dem Existenziellen - dem, was man akzeptieren muß und woran man wachsen kann - liegen. Der Held des Buches, George, stammt aus einem religiös geprägten Umfeld, von dem er sich zugunsten einer technisch bestimmten Welt abwenden will. Er entscheidet sich für eine Laufbahn in der Netzplanung. Aber das Leben konfrontiert ihn mit zwei riesigen Problemen, die sich in keine Rechnung einfügen wollen: seine rätselhafte Frau und seine schwerstbehinderte Tochter. Die beiden Probleme überdecken und verkomplizieren einander abwechselnd. Er begreift gar nichts mehr. Und dann ist da auch noch seine Libido. Das mag jetzt schematisch klingen, aber damals hatte ich nur George im Sinn, eine mitleiderregende Figur, und die traurigerweise behinderte Tochter einer befreundeten Familie. Ich schrieb 450 Seiten. Das Buch wurde überall abgelehnt. Zu lang, zu quälend. Erst als der amerikanische Verlag mir die Fahnen schickte, fast zwei Jahre, nachdem ich es geschrieben hatte, wurde mir plötzlich klar, wie das Buch aussehen sollte. Innerhalb von drei Wochen, in denen ich Tag und Nacht arbeitete, kürzte ich es auf 200 Seiten. Dabei hatte ich ausnahmsweise einmal das Gefühl, genau zu wissen, was ich tat. Meine Lieblingsrezension war die in der Sunday Times: "ein brutales aber wunderschönes Buch". Als ich das las wußte ich, es war so geworden, wie ich es gewollt hatte. Eigentlich steht die Grundidee bereits auf der ersten Seite, vielleicht schon im ersten Satz - geschrieben, das gebe ich zu, mit großem Vergnügen...
Prolog
Mein Vater war Missionar und wurde 1956 in Burundi ermordet. Es war größtenteils seine eigene Schuld. Man hatte ihn aufgefordert zu verschwinden, und durch seine Weigerung brachte er den Rest der Familie ebenfalls in Lebensgefahr. Als wir in unserem weißen Missionsbungalow gefangengenommen wurden, stellte man meine Mutter, meine Schwester und mich vor die Wahl, entweder mit ihm zu sterben oder durch Aufsagen eines einfachen Spruchs unserem Glauben abzuschwören, wonach man uns gestatten würde, das Land zu verlassen. Ich war natürlich viel zu jung, um einen Glauben zu haben, und erst recht, um ihm abzuschwören, aber ich habe nicht den geringsten Zweifel, wie meine Entscheidung ausgefallen wäre. Meine Mutter dagegen war hin- und hergerissen. Sie ist eine abergläubische Frau und überzeugt von der Macht des gesprochenen Wortes, selbst wenn man nicht meint, was man sagt; sie gehört zu denen, die ein schlechtes Gewissen bekommen, wenn sie erfahren, daß ein Satz in einer fremden Sprache, den sie arglos nachgeplappert haben, blasphemisch war. Sie fragt sich heute noch, ob sie nicht bis in alle Ewigkeit bestraft werden wird, weil sie damals ihrem mütterlichen Instinkt folgte und sich selber und uns rettete.
Es ist komisch, darüber jetzt nachzudenken. Vermutlich ertönte ein Schuß, der meinen Vater ins Jenseits beförderte. Ich erinnere mich nicht, ich war zu klein. Ich habe nicht die geringste Erinnerung an meinen Vater und auch nicht an Afrika. Wenn ich überhaupt an seinen Märtyrertod denke, dann mit vollkommenem Unverständnis. Und wenn ich diese groteske Begebenheit hier erwähne, dann nur deshalb, weil ich im Laufe der Jahre zu dem Schluß gekommen bin, daß sie nichts weiter als das erste - besonders absurde und bezeichnende - einer langen Reihe von Ereignissen war, bei denen das Bestreben der anderen, gute Menschen zu sein, sich zu meinem persönlichen Nachteil auswirkte und zudem aller Vernunft widersprach.
"Das alltägliche Grauen wird in diesem Buch auf brillante Weise deutlich,
wenn ein ganz normaler Mann in ein furchtbares moralisches Dilemma gerät"
Today
"Parks charakterisiert seine Figuren in unaufdringlicher, aber erschreckend
treffender Prosa und schält dann unter unseren gebannten Blicken ihre
Falschheit und ihre Schmach, ihre Ängste und ihre Grausamkeiten heraus"
The Daily Telegraph
"Ein Buch, das man in einem Zug durchliest und das noch lange nachwirkt"
The Daily Mail
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