Schriftsteller werden ständig gebeten, sich zu wiederholen. Ich sage da automatisch nein. Aber ungefähr ein Jahr, nachdem ich es abgelehnt hatte, ein zweites Ein Haus im Veneto zu schreiben, lag ich am Strand von Pescara unter unserem Sonnenschirm und hörte den Kindern zu, die herumalberten, vor allem aber der Frau unter dem Schirm nebenan, die ihrem kleinen Sohn die absonderlichsten Anweisungen gab, wie zum Beispiel: "Alberto, schwitz nicht so! Nein, vor elf darfst du nicht ins Wasser, es ist noch zu kalt, geh und spiel mit deinem Cousin in Reihe 3, Nummer 52" und so weiter und so fort. Dabei kam mir der Gedanke, daß man ein Buch darüber schreiben könnte, wie Kinder in Italien aufwachsen, wie sie zu Italienern werden, denn Nationalität ist ganz klar keine genetische Sache, sondern eine Frage der allgemeinen Konditionierung, ein Gruppenschicksal, etwas, an dem wir alle mitwirken und das wir nolens volens weitergeben. Ich könnte die Leser von der absurden ‚visione del bambino', wenn die Schwester im Krankenhaus einer Schar von Bewunderern auf der anderen Seite der Glasscheibe das Neugeborene präsentiert, über die rosa oder blauen Schleifchen, die erste Bekanntschaft mit Marmorfußböden und Fadennudeln bis hin zur seltsamen Rhetorik von Kirche und Schule und durch die Bürokratie und den Hedonismus des adriatischen Strandlebens (mit der dazugehörigen Sonnenschirm-Geometrie) führen, kurz gesagt, durch all das, was die gemeinsame Herkunft prägt. Als ich mich an die Arbeit machte, wurde mir sofort klar, wie wichtig die Sprache war, und ganz besonders all die unübersetzbaren Kleinigkeiten, die Kinder sagen oder die zu ihnen gesagt werden, durch die das Bewußtsein in eine bestimmte Richtung gelenkt wird und die für einen Fremden sehr verwirrend sein können. Also versuchte ich, das Buch so aufzubauen, daß in jedem Kapitel durch Anekdoten oder Ereignisse ein besonderer Bereich der Sprache spürbar wurde. Ergänzt durch die Betrachtung des Schulunterrichts war dies die bedeutsame Seite des Buches. Aber in Wirklichkeit (und das ist vielleicht noch viel bedeutsamer) hatte ich einen Weg gefunden, ungezwungen über die Kinder, meine ausländischen Kinder (aber eigentlich sind alle Kinder Ausländer) zu schreiben, einen Vorwand, um stundenlang über sie nachzudenken, ohne sentimental zu werden. Dieses Buch zu schreiben war ein Vergnügen. Als ich um ein zweites gebeten wurde, sagte ich nein. Und bis jetzt gab es noch keinen überzeugenden Grund, es mir anders zu überlegen...
Non essere fiscale
Can a child or person really have two nationalities, express the traits, that is, of two national characters? Or doesn't one inevitably exclude the other? Or worse still, they simply destroy each other, so that rather than being English and Italian, my children with their mix of languages and habits, are neither one nor the other. These are imponderable. But there are moments when even imponderables are wonderfully incarnated. This tiny chapter remembers two of them…
It's eight in the evening. I've just come into the room to send the kids to bed. Stefi is sitting on the floor playing wit her dolls and singing a song: 'Mary had a Little Lamb'. She sings it in the well-to-do, upper-middle-class accent of the little children who made the English tape she has. Instead of her normal raucous tones, her voice is wavering and twee, as befits songs about little girls and their woolly little animal friends. Stefi loves to sing as she plays.
He's complaining about my sending them to bed on time, and what he means is fiscale. Non essere fiscale, Papà. Look at a dictionary and it will tell you that the word derives from the Latin fiscus, a basket, then came in Italian to be fisco, the coffers of the state, and then, by unpleasant association, the people responsible for filling those coffers. In short, the tax collectors. So that fiscale means, as fiscal does in English: having to do with taxes. But given Italian feeling about rules in general and taxes most particularly, the etymology could hardly stop there. So what was originally a basket in the days of Caesar's empire had come to mean, by the days of Benito's, 'severe', 'exacting', and then, by inevitable slippage, 'too severe', and even 'perversely exacting'.
She's very proud of this addition. What a miserable sad ending the English version has. Hers is so much sunnier.
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